Fliegergruppe Nellingen
 
 
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Sonntag, 5. September 2010
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 "Segelflug mit dem Ministerpräsidenten"

Uli S. berichtet:

Liebe Freunde, Bekannte, Gönner und allen hilfsbereiten Menschen, die
diesen
Freitag zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben,


eine einzigartige Chance unseren Segelflugsport in die breite
Öffentlichkeit
und ins Gedächtnis der Politik zu bringen, durfte ich am Freitag 26.Juni
2009 erleben.
Zu verdanken haben wir diesen wunderbaren Spätnachmittag Herrn Landrat
Reumann, der Herrn Ministerpräsident Oettinger im März einen Segelflug
geschenkt hatte.
Anlässlich der Übergabe der Unesco-Urkunde fürs Biosphärengebiet
Schwäbische
Alb, stattete Herr Ministerpräsident Oettinger Münsingen an diesem
Freitag
einen Besuch ab.


Herr Landrat R. hatte geplant, daß ich mit ihm zusammen den
Ministerpräsidenten und einen Sicherheitsbeamten vom Flughafen Stuttgart
mit
unserer Vereins-Schleppmaschine vom Typ "Jodel" abhole.
Die Landung sollte wieder auf dem Münsinger Eisberg erfolgen, mit
anschließendem Umsteigen in ein Segelflugzeug.
Die anschließende Landung mit dem Segelflugzeug würde dann im Alten
Lager
(dieses alte Militärlager, wurde bereits zu Kaiser Wilhelms Zeiten
erbaut
und steht unter Denkmalschutz) statt finden.

Nun mußte natürlich ein sicheres Landefeld ausgesucht werden. Mit
unserem Motorsegler flog ich die Gegend schon vor 10 Tagen ab und schnell fand
ich den alten Hubschrauberlandeplatz als geeignet.

Thomas S., von der  Firma EAM im Alten Lager, organisierte die
ganzenAbläufe im Alten Lager. Absperrungen und gemähtes Landefeld waren
perfektvorbereitet. Herzlichen Dank an dieser Stelle.

Nun war ja noch eine Landeerlaubnis vom Reg.Präs. Tübingen nötig und ich
rief Herrn L. an.
"Hallo Herr L., ich würde gerne nächste Woche Segelfliegen", sagte
ich.
"Das tun sie doch öfters, da brauchen sie von mir keine Genehmigung".
"Ja, ich werde aber bestimmt nicht wieder auf dem Eisberg landen". "Nun
bei Überlandflügen kommt das schon mal vor", entgegnete gleich Herr L."

"Gut, ich werde aber im Alten Lager auf dem Hubschrauber Landeplatz
landen und unser MP Oettinger sitzt dann mit hinten drin", antwortete ich.
- Denkpause -  "Na dann ist natürlich eine Landeerlaubnis notwendig",
sagte Herr L.

Der Sachbearbeiter auf dem Reg.Präs. Ulrich F. rief mich dann später
zurück und besprach mit mir, welche Unterlagen und Genehmigungen noch
benötigt werden. Völlig unkompliziert wurden diese Formalitäten
abgewickelt.

Wenn ich nun auf dem Flughafen Stuttgart lande um den MP Oettinger
abzuholen und einen solch engen Zeitplan einhalten muss, dann sollte ich doch
vorher wissen, wie es am Stuttgarter Flughafen zugeht. Ob man eine Abflugzeit
vorbuchen muß, wie die Sicherheitsbläufe sind etc.
Als ich am GAT anrief und nachfragte, erfuhr ich daß bei einem Start
nach Sichtflugregeln keine Startzeit vorgebucht werden muß.
Dann ist das ja alles kein Problem. Aber ich informierte den Wachleiter
trotzdem, daß ich am Freitag 26.Juni gegen 16 Uhr 20 den MP Oettinger
abholen werde.

In den Tagen vor dem Freitag riefen mich dann verschiedene Personen an,
Sekretariat Staatsministerium, Reg.Präs. Tübingen, Sicherheitsbeamte des
MP und unter anderem das Polizeirevier Münsingen. Aus dem Polizeipräsidium
Stuttgart kam ein Anruf, "Herr S., die Leute an der Flugabfertigung
in Stuttgart wissen nichts davon, daß der Ministerpräsident am Freitag
kommt?"
Ich antwortete, "ja das dachte ich daß es so kommt. Als ich nämlich den
Wachleiter diese Woche angerufen hatte um ihm mitzuteilen , daß ich mit
unserer "Jodel" den MP abholen werde, dachte der mit Sicherheit das wäre
das verrückte Telefon von Radio 7!"

Aber nun zum eigentlichen Ereignis.
Das Wetter war an diesem Tag sehr gewittrig. Ich hatte bereits sehr früh
den
Tag beobachtet um den Wetterrhytmus genauestens zu analysieren.

Beim ständigen Studieren des Wetters vom Flugplatz Eisberg aus, fiel mir
der zerrissene Windsack auf. In unserem Vereinsbüro wartete ein neuer
Windsack bereits auf die Montage. Sofort rief ich meine Freunde bei der Münsinger
Feuerwehr an, ob sie eventuell noch den Windsack montieren könnten. Die
Hilfsbereitschaft hat mich fast umgehauen. In strömendem Regen kamen sie
zu Dritt mit der Drehleiter und wir montierten den neuen Windsack für den
Ministerpräsidenten - Landrat - Event.

Mit Herrn Landrat R. war abgesprochen, daß wir planmäßig um 15.15
Uhr auf jedenfall mal starten. Von der Luft aus hatte ich den betroffenen
Luftraum besser im Überblick. Welch ein Glück, der gesamte Stuttgarter
Wetterraum war frei, nach einem durchgezogenen Gewitter auch weit in
Richtung Nord - Ost .

Nach meiner Tages - Studie über die zeitliche Entwicklung der Gewitter
sagte ich auf dem Flug nach Stuttgart zu Herrn Landrat R., daß wir ohne
Probleme in Stuttgart landen und mit Ministerpräsident Oettinger auch
wieder starten können.

Nach der Landung in Stuttgart rief ich die Sicherheitsleute im
Staatsministerium an, daß wir den Ministerpräsidenten auf dem Flughafen
Stutgart erwarten.

Landrat R. und ich mussten noch 40 Minuten warten und nützten die
Zeit für die Bezahlung der Landegebühren, die dann doch über 100 € lagen.
Da musste ich feststellen, daß mir 1 €  fehlte um diese Rechnung zu
bezahlen (peinlich!!). Doch Herr Landrat R. half mir wie selbstverständlich
aus dieser Patsche heraus.
Wir wurden dann in der Flugabfertigung darauf aufmerksam gemacht, daß MP
Oettinger in 10 Minuten ankommen wird, weshalb wir durch die
Sicherheitskontrolle zurück zu unserer "Jodel" gingen. Die Gespräche mit
Herrn Landrat R. während unserer Wartezeit vergesse ich nie. Ich
bin richtig Stolz darauf, solch einen unkomplizierten Landrat für den Kreis
Reutlingen zu haben. Er lobte mich sogar im Namen von Herrn B.,
Herrn Landrats "rechte Hand", für die völlig unkomplizierte Organisation
dieses Vorhabens.
Bei Herrn Landrat R. bedankte ich mich herzlich, daß er es uns (dem
Luftsport) ermöglicht hat, ein solches Segelflugerlebnis für den
Ministerpräsidenten auszurichten.

Eine Ehre wäre es natürlich auch, daß wir S. ihm mal einen Anzug
verkaufen dürften, was er sofort bejahte.

In der Zwischenzeit bereiteten die Mitglieder des Luftsportvereins
Münsingen Eisberg die Dimona als Schleppflugzeug und die K 2b als Shuttle für
unseren Ministerpräsidenten vor. Den Vereins - Duo zu verwenden war bei dieser
Wetterlage nicht möglich. Die Kurzlandeeigenschaften der K 2b waren für
diesen Tag besser geeignet.

Währenddessen ließ ich das Wetter auf der Alb natürlich nicht aus den
Augen.
Von Stuttgart aus konnte man sehen wie sich das Gewitter in Richtung
Münsingen entwickelt. Ich erkannte aber, daß es nach Westen weiterzieht
und es nach 20 bis 30 Minuten bestimmt im Münsinger Becken wieder absolut
frei von Regen sein würde.

Die Augen der Flugkapitäne der umherstehenden Business Jets werde ich
nie vergessen, als die gepanzerte Limousine mit Ministerpräsident Oettinger
vor unsere kleine "Jodel" fährt und er diese nicht nur besichtigt, sondern
auch noch mit ins Flugzeug einsteigt!

Dieses Vertrauen in mich als Zivilperson, das bei den heutigen
Sicherheitstandards wirklich eine Seltenheit ist, hat mich zutiefst
beeindruckt.

Der Flug führte dann von Stuttgart aus direkt über Bad Urach nach Gruorn
und das ALTE LAGER (unserem Segelfluglandeort), zurück zu unserem Münsinger
Eisberg.

Die Flugroute über unseren Landeort machte ich natürlich vor allem auch
um zu sehen, ob dort alles okay ist und ob es auch tatsächlich nicht mehr
tröpfelt. Es war regenfrei, nur am Eisberg tröpfelte es noch ganz
leicht.
Mit einer klassischen Schleppgaslandung setzte ich unsere Jodel so sanft
wie möglich mit unserer wertvollen Fracht auf. Mein Kommentar war: "Wissetse
Herr Oettinger, des isch a gmähts Wiesle!"

Viele Vereinsmitglieder, Bekannte und Schaulustige waren vor Ort, als
unsere jüngste Flugschülerin Christina Z. das DUO Segelflug Standmodell
von der Firma Schempp Hirth aus Kirchheim/Teck für den Schreibtisch vom
Ministerpräsident auf ihre sehr charmante Art überreichte.

Anschließend legten wir die Fallschirme an und zum ersten Mal saßen zwei
Männer in Anzügen mit Krawatte in einem Segelflugzeug auf dem Münsinger
Eisberg.
Herr Ministerpräsident Oettinger kommentierte, daß dieses alte Flugzeug
K 2b ja jünger sei als er.

Der Flugzeug-Schlepp mit der Dimona erfolgte nach dem Gewitter in sehr
ruhiger Luft . Nach 10 Minuten F- Schleppzeit klinkte ich aus.

Unten am Landeort stehen schon die Pressejournalisten, die Kameras und
vor dem Casino stehen erwatungsvoll die illustren Gäste aus vielen
Regierungs- und Verbandsebenen unseres Landes und Europas.
Eine so große Persönlichkeit hinter mir im Cockpit, verfolgt von den
Medien erfordert eine Präzision bei der Landung, die sich gewaschen hat.

In einem großen Bogen fliege ich über das Gelände , damit Herr
Ministerpräsident Oettinger nochmal alles in Ruhe von oben betrachten
kann.
Ich habe natürlich ständig die Höhe im Verhältnis zum Landeort im Auge,
der sich ja auf einer kleinen Anhöhe über dem Kasernengelände Altes Lager
befindet. Nach einem Blick auf die Uhr wird es jetzt Zeit für die
Landung.
Ich drücke die K 2b ganz sanft nach vorne um die Geschwindigkeit zu
erhöhen.
In einer Linksplatzrunde fliegen wir so an, daß alle, die am Landeort
stehen, den Anflug genau verfolgen können.
Ich nehme die Fahrt zurück, damit die optimale Anfuggeschwindigkeit
erreicht wird. Der Wind kommt leicht von rechts. Die K 2b folgt mir genau so, wie
meine Frau beim Tanzen,
so hat man es doch gern !
Die K 2b setzt sich sanft auf den Rasen, jedoch ist das Landefeld nicht
ganz so glatt wie auf einem richtigen Fluggelände.
Herrn Minsiterpräsident Oettinger habe ich natürlich auf einen wunderbar
weichen stoffüberzogenen Weichschaumstoff sitzen lassen, damit die
Bodenwellen sanft abgefedert werden.
Mein Bruder Dieter S. mit unseren Söhnen erwartete uns bereits mit
dem Anhänger für das Segelflugzeug am Ausrollort und ich konnte die K 2b so
zum Stillstand bringen, daß Dieter den rechten Tragflügel vor dem Ablegen
auffangen konnte.

Elegant steht die K 2b da.

Bevor Herr Ministerpräsident und ich die Hauben öffnen, kommt in mir
eine riesen Freude darüber auf, daß die Landung , die Flüge so perfekt
geklappt haben. Gott sei Dank !
Sofort rannten die Journalisten und Kameraleute auf das Cockpit zu. So
eine Ehre, hier dabei zu sein denke ich.

Komisch, aber mir fiel in diesem Moment Wolf Hirths 12. Gebot ein :

Man muß euch Segelflieger nicht nur an den weißen Möwen auf
blauem Grunde erkennen, sondern an dem helleren, freieren Blick,
der immer hilfsbereiten Kameradschaft, dem völligen Mangel an
Eitelkeit und kleinlicher Gesinnung. Dann werdet ihr euch überall
unter den Völkern finden und verbinden, werdet ihr der Anfang
eines neuen Adels sein und zugleich die ersten Bürger einer
freien, friedlich vereinigten Welt.

Ich durfte eine historische Landung im Biosphärengebiet mit einem
Segelflugzeug unter den Augen der Öffentlichkeit und so auch den
friedvollen Geist des Segelfluges, den Wolf Hirth trefflich beschreibt ,
durchführen.

Leider stand das politische Thema Mehrwertsteuererhöhung sofort im
Vordergrund, die Interviews hatte nur noch dieses Thema. So blieb ihm
keine Zeit seine Flugerlebnisse sofort zu kommentieren.

Demokratie, die ich ja auch seit 10 Jahren im Gemeinderat erlebe , hat
zum Teil auch etwas brutales an sich. Anders zu denken, quer zu denken und
öffentlich zu formulieren ist in unserer Demokratie auch nicht so
einfach möglich !

Dennoch sind die Bilder der Landung eines Segelfluzeuges im 3. Programm
und im ZDF in den Nachrichten zu sehen gewesen.

Eine sehr festliche Veranstaltung fand anschließend im Casino des Alten
Lagers anlässlich der Urkunden Übergabe der UNESCO für das
Biosphärengebiet
Münsingen an Herrn Ministerpräsident Oettinger statt.
Mein Bruder Dieter und ich durften mit dabei sein. "Ha des hot ons
vielleicht g`freit !"

Herr Ministerpräsident erwähnte gleich zu Beginn seiner Rede den
wunderbaren
Flug von Stuttgart nach Münsingen und den besonderen Segelflug mit
Einschweben hier ins Biosphärengebiet.

Diese Art zu Fliegen hat ihn sehr beeidruckt.
Während unseres gemeinsamen Segelfluges ins Alte Lager bat mich Herr
Ministerpräsident Oettinger, Herrn Landrat R. und Herrn
Landtagsabgeordneten R. zu beauftragen,einen Termin zu ermöglichen,
daß er mit mir nochmals "richtig" Segelfliegen gehen kann.

So einem Wunsch komme ich mit großer Freude nach.

Ganz herzlich möchte ich mich bei allen Helfern und Helfershelfern, den
Institutionen auf allen Ebenen für die unglaublich unkomplizierte
Hilfsbereitschaft, auch in letzter Minute, bedanken. Besonders der
Luftaufsicht in Stuttgart danke ich für ihr Verständnis und ihr
Erkennen, daß ich doch au a bißle aufgregt war.

Mein besonderer Dank an Herrn Landrat R. für diese unglaubliche
Idee.

Man kann auf unser Land mit ihren Menschen wahrlich Stolz sein.

Wir habens demnach einfach drauf !!!


Uli S.

 

 

 

 


Auch die Fliegergruppe Nellingen hatte einmal ein solches Flugzeug....

(auf das Bild klicken -> führt zu einem externen Video)

7.jpg.jpg

 



 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 2 hilfreiche Links, die zur

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